{"id":64,"date":"2013-05-15T17:15:32","date_gmt":"2013-05-15T15:15:32","guid":{"rendered":"https:\/\/klang.mur.at\/?page_id=64"},"modified":"2013-05-29T00:09:53","modified_gmt":"2013-05-28T22:09:53","slug":"zu-konigin-ok","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/klang.mur.at\/?page_id=64","title":{"rendered":"k\u00f6nigin \u00f6k."},"content":{"rendered":"<p>Die Kuppel von Isfahan \/ compassion for the Chinese soldiers<\/p>\n<p><em>Freundschaft, Liebe, Kirch und Heilge, Kreuze, Bilder.<br \/>\n<\/em><em>Altar und Kanzel und Musik. Es t\u00f6net ihm die Predigt.<br \/>\n<\/em><em>Die Kinderlehre scheint nach Tisch einschlummernd m\u00fc\u00dfig<br \/>\n<\/em><em>Gespr\u00e4ch f\u00fcr Mann und Kind und Jungfraun, fromme Frauen;<br \/>\n<\/em><em>Hernach geht er, der Herr, der Burgersmann und K\u00fcnstler<br \/>\n<\/em><em>Auf Feldern froh umher und heimatlichen Auen,<br \/>\n<\/em><em>Die Jugend geht betrachtend auch.<br \/>\n<\/em>(Friedrich H\u00f6lderlin)<\/p>\n<p>Die Kuppel der Moschee von Isfahan leitet den Blick nirgendwohin, sie steht als Ganzes vor uns.Man kann sie als ganzes, als Einheit betrachten, man kann sich im schillernden T\u00fcrkis der Kacheln verlieren, die Formen der Ornamente verfolgen oder den Text zu lesen versuchen. Man fragt, sich ob es Schrift ist oder Ornament was \u00fcber dem bl\u00e4ulichen T\u00fcrkisgr\u00fcn schwebt. Das worauf alles gebaut ist, &#8211; n\u00e4mlich der Text des Korans &#8211; ist am schwersten erkennbar, die Schriftzeichen sind zu zerdehnt, zu gro\u00df oder zu verschn\u00f6rkelt, zu klein um sie gut lesen zu k\u00f6nnen &#8211; trotzdem sind sie immer da.<\/p>\n<p>Wie der Klang immer einerseits an der Grenze zwischen h\u00f6rbar und nicht mehr h\u00f6rbar, andererseits an der Grenze zwischen Ger\u00e4usch und Ton steht, befindet sich das Gesprochene immer an der Grenze zwischen Text und Ornament, zwischen Sprache und Klang. Es geht um die Linie an der konkreter Text zu Sprachklang wird. Alles ist weder das eine noch das andere und gleichzeitig beides.<\/p>\n<p>Nach dem Scheitern des Kommunismus sind im &#8222;Westen&#8220; die ideologischen Konzepte aus der Politik entfernt worden und die &#8222;Ideologie&#8220; der Marktwirtschaft zeigt sich unverh\u00fcllt als grenzenloser Egoismus und Opportunismus mit den Ziel des totalen Konsums. Das neue Gesetz ist das des St\u00e4rkeren, die neuen F\u00fchrer sind die Manager. Solidarit\u00e4t wurde ersetzt durch einen Wettbewerb mit extrem ungleichen Ausgangsvoraussetzungen. Auf der Erde hat sich eine Art Kastensystem entwickelt: 1. Welt, 2. Welt, 3. Welt&#8230;<\/p>\n<p>Die Sonne legt ihren Weg unmerklich langsam zur\u00fcck, mit ihrem Weg \u00e4ndert sich das Licht und mit ihm die Kuppel. Bleibt die Kuppel gleich oder \u00e4ndert sie sich?Sie macht beides gleichzeitig: Sie bleibt gleich und ver\u00e4ndert sich.Zeit vergeht und bleibt stehen, was wir wahrnehmen ist ein gedehnter Augenblick.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong><em>Inventur<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>hier mein Rasierzeug<br \/>\n<\/em><em>Dies ist meine M\u00fctze,<br \/>\n<\/em><em>dies ist mein Mantel,<br \/>\n<\/em><em>im Beutel aus Leinen.<\/em><\/p>\n<p><em>.<\/em><\/p>\n<p><em>Konservenb\u00fcchse:<br \/>\n<\/em><em>Mein Teller, mein Becher,<br \/>\n<\/em><em>ich hab in das Wei\u00dfblech<br \/>\n<\/em><em>den Namen geritzt.<\/em><\/p>\n<p><em>.<\/em><\/p>\n<p><em>Geritzt hier mit diesem<br \/>\n<\/em><em>kostbaren Nagel,<br \/>\n<\/em><em>den vor begehrlichen<br \/>\n<\/em><em>Augen ich berge.<\/em><\/p>\n<p><em>.<\/em><\/p>\n<p><em>Im Brotbeutel sind<br \/>\n<\/em><em>ein paar wollene Socken<br \/>\n<\/em><em>und einiges, was ich<br \/>\n<\/em><em>niemand verrate,<\/em><\/p>\n<p><em>.<\/em><\/p>\n<p><em>so dient es als Kissen<br \/>\n<\/em><em>nachts meinem Kopf.<br \/>\n<\/em><em>Die Pappe hier liegt<br \/>\n<\/em><em>zwischen mir und der Erde.<\/em><\/p>\n<p><em>.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Bleistiftmine<br \/>\n<\/em><em>lieb ich am meisten:<br \/>\n<\/em><em>Tags schreibt sie Verse,<br \/>\n<\/em><em>die nachts ich erdacht.<\/em><\/p>\n<p><em>.<\/em><\/p>\n<p><em>Dies ist mein Notizbuch,<br \/>\n<\/em><em>dies meine Zeltbahn,<br \/>\n<\/em><em>dies ist mein Handtuch,<br \/>\n<\/em><em>dies ist mein Zwirn.<\/em><\/p>\n<p>(G\u00fcnther Eich)<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Ein \u00dcberschreiten der Kastengrenzen ist so gut wie unm\u00f6glich, jeder Versuch lebensgef\u00e4hrlich: In Berlin wo ich wohne geh\u00f6rt es schon fast zur Normalit\u00e4t zu h\u00f6ren, da\u00df wieder ein Ausl\u00e4nder von Neonazis zusammengeschlagen wurde, in \u00d6sterreich woher ich stamme erledigt das die Polizei. Der Wert eines Menschen, jedes Lebewesens und jeder Sache \u00fcberhaupt wurde seine in Geld me\u00dfbare Leistung. Alles mu\u00df seinen Zweck erf\u00fcllen und bekommt seinen Wert erst durch diese Verwertbarkeit.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong><em>Radwechsel<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Ich sitze am Stra\u00dfenhang<br \/>\n<\/em><em>Der Fahrer wechselt das Rad.<br \/>\n<\/em><em>Ich bin nicht gern, wo ich herkomme.<br \/>\n<\/em><em>Ich bin nicht gern, wo ich hinfahre.<br \/>\n<\/em><em>Warum sehe ich den Radwechsel<br \/>\n<\/em><em>mit Ungeduld?<\/em><\/p>\n<p>(Bertolt Brecht)<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Ein Haiku stellt direkt dar ist zu nahe an der Sache, um sie zu erkl\u00e4ren. Das Gedicht wird die Sache die es beschreibt. Wir werden gezwungen etwas zu betrachten was nur f\u00fcr sich selbst steht, etwas das auf nichts mehr hinweist.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Letztlich lebt die Menschheit von denen, die nichts geleistet haben, die dar\u00fcber nachgedacht haben wieviele Engel auf einer Nadelspitze Platz haben, oder wie eine Kuppel verziert werden k\u00f6nnte. Alles Wesentliche entsteht ohne Zweck aus der Leere.Nicht ohne Grund ist das Allerheiligste unter der Kuppel ein leerer Raum.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><em>Margaret has a milking-pail,<br \/>\n<\/em><em>And she rises early;<br \/>\n<\/em><em>Thomas has a threshing-flail,<br \/>\n<\/em><em>And he&#8217;s up betimes.<br \/>\n<\/em><em>Sometimes crossing through the grass<br \/>\n<\/em><em>Where the dew lies pearly,<br \/>\n<\/em><em>They say &#8218;Good-morrow&#8216; as they pass<br \/>\n<\/em><em>By the leafy limes.<\/em><\/p>\n<p>(Christina Rosetti)<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Ein tibetischer Lama sagte, da\u00df es f\u00fcr ihn erst dann wirklich schwierig wurde als er sein Mitgef\u00fchl f\u00fcr die ihn folternden chinesischen Soldaten zu verlieren drohte.<br \/>\nDer republikanische Pr\u00e4sidentschaftskanditat George Bush jun. ist ber\u00fchmt daf\u00fcr, da\u00df er in seiner Amtszeit als Gouverneur noch nie eine Begnadigung unterzeichnet hat, sondern alle 190 Todesurteile hat vollstrecken lassen, zuletzt an einer 62j\u00e4hrigen Frau.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>PS:<br \/>\n&#8222;\u00d6k&#8220; erinnert mich an ein schwedisches Wort,n\u00e4mlich &#8222;\u00f6ken&#8220;. Und das bedeutet lustiger Weise &#8222;W\u00fcste&#8220;! Wu\u00dftest Du das?(Aus einem Brief an mich.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kuppel von Isfahan \/ compassion for the Chinese soldiers Freundschaft, Liebe, Kirch und Heilge, Kreuze, Bilder. Altar und Kanzel und Musik. Es t\u00f6net ihm die Predigt. 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