{"id":411,"date":"2013-06-01T17:03:06","date_gmt":"2013-06-01T15:03:06","guid":{"rendered":"http:\/\/klang.mur.at\/?page_id=411"},"modified":"2013-06-01T17:03:06","modified_gmt":"2013-06-01T15:03:06","slug":"der-einflus-des-menschen-auf-den-mond-horen-und-sehen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/klang.mur.at\/?page_id=411","title":{"rendered":"der einflu\u00df des menschen auf den mond. (h\u00f6ren und sehen.)"},"content":{"rendered":"<p><b>h\u00f6ren und sehen.<\/b><\/p>\n<p>In der Geschichte der Oper gibt es die verschiedensten Formen von Opern, entwickelt von Komponisten angefangen von Cavalieri \u00fcber Gluck bis zu Nono, Aperghis und Scarrino. Anders als zum Beispiel die Sonate oder die Sinfonie lassen sich diese Formen kaum standardisieren: die Oper hat in ihrer Geschichte keine einheitliche oder fixe Form ausgebildet, sondern sich immer weiterentwickelt. Trotzdem k\u00f6nnte man sagen, da\u00df es sich in der Geschichte der Oper wie in einer gro\u00dfen Familie verh\u00e4lt deren Mitglieder gewisse Familien\u00e4hnlichkeiten aufweisen:\u00a0Manche habe gleiche Ohren, manche gleiche Nasen, manche gleiche Lippen etc.\u00a0Es gibt keine zwei Gestalten die in jeder Hinsicht gleich sind, man kann keinen fixen Typus festlegen. Allerdings finden sich Einzelmerkmale die sich unterschiedlich ver\u00e4ndert haben und die immer wieder verschieden rekombiniert wurden.\u00a0Die Geschichte der Oper ist also eine Geschichte der st\u00e4ndigen kontinuierlichen Weiterentwicklung und Ver\u00e4nderung. Und gerade dadurch ist ja die westliche Musiktradition als Ganzes gekennzeichnet: Tradition ist st\u00e4ndige Ver\u00e4nderung. (Ein schmerzlicher Bruch mit dieser Tradition des Kreativen wurde im 20. Jahrhundert vollzogen in dem sich die gro\u00dfen Musikinstitutionen von den Geb\u00e4rkliniken des Neuen in Balsamierungs- und Mumifizierungsanstalten verwandelt haben.)\u00a0 Und genau in dieser Tradition der Ver\u00e4nderung sehe ich meine Arbeit als einen kleinen Schritt in diesem kontinuierlichen Proze\u00df. Wie die Komponisten der Vergangenheit so sehe ich es als meine k\u00fcnstlerische Aufgabe heutige, zeitgem\u00e4\u00dfe Formen von Oper zu suchen und zu entwickeln.\u00a0Das, was man als eine ganz zentrale Gemeinsamkeit von allen diesen verschiedenen Formen von Oper (von Tanz- und Musiktheater) bezeichnen kann ist die Tatsache, da\u00df verschiedene Kunstsparten zusammenwirken, um einen gemeinsamen Erlebnisraum zu schaffen, und genau das ist der Aspekt von Musiktheater der mich als Komponist am meisten fasziniert: diese Konfrontation mit anderen Kunstformen, mit Raum, Licht, Literatur und Bewegung von Menschen als Figuren auf der B\u00fchne.\u00a0Dabei ist es wichtig zu sehen, da\u00df dieses Konzept von &#8222;Gesamtkunstwerk&#8220; immer schon eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit in der Kunst und Kultur aller V\u00f6lker aller Zeiten war. Es gibt wohl kein Ritual oder Fest etc. weder weltlich noch geistlich, dessen k\u00fcnstlerische Gestalt nicht gerade darin bestanden h\u00e4tte diese verschiedenen Kunstformen miteinander zu verkn\u00fcpfen und zu verbinden: Eine Kombination aus verschiedenen Kunstformen ist ja global und historisch gesehen der Normalfall, wohingegen das westliche Konzept von Konzert oder Museum eine Ausnahmesituation darstellt.\u00a0Der Aspekt von Oper, der f\u00fcr mich am wichtigsten ist, ist nicht das Erz\u00e4hlen einer Geschichte, nicht das psychologische Erforschen der Sonn- oder Schattenseiten der menschlichen Psyche. Ich sehe Kunst auch nicht als R\u00e4tselaufgabe in der man mit rationalen Mitteln versucht Botschaften zu dechiffrieren die K\u00fcnstler im Proze\u00df der Arbeit chiffriert haben, sondern ich sehe Kunst als eine Chance in eine andere Zeit, in einen anderen Raum einzutreten, in einen Raum intensiver Zeiterfahrung und gro\u00dfer sinnlicher F\u00fclle, in dem der intuitiven Wahrnehmung das Primat geb\u00fchrt.\u00a0Was mich als Komponist interessiert ist das Schaffen von multidimensionalen sinnlichen Erfahrungsr\u00e4umen, in denen man sich in einem Zustand des intensiven Wahrnehmens dem Erlebnis von Zeit, Klang, Raum, Licht und Bewegung \u00f6ffnen kann. Aus der Parallelit\u00e4t von einfachen Mitteln entsteht in der gegenseitigen Beleuchtung oder Vertiefung der verschiedenen tief gestaffelten Wahrnehmungsebenen eine komplexe Mehrschichtigkeit.\u00a0Und gerade dieser direkte mehrschichtige Eindruck, die Tiefe und F\u00fclle von in diesem Augenblick gesungenem oder gespieltem Klang, von Personen auf der B\u00fchne, von von Licht getroffenen realen Materialien, die F\u00fclle im realen Raum ist die eigentliche St\u00e4rke von Oper.\u00a0Es ist diese gro\u00dfe Qualit\u00e4t des &#8222;direkt&#8220; und nicht \u00fcber elektronische \u00dcbertragungsmedien vermittelten oder gefilterten Wahrgenommenen die die Oper von allen \u00fcber elektronische Medien hergestellten Kunstformen (wie z.B.: Film oder Tonaufnahmen) unterscheidet.\u00a0In einer Welt die beherrscht ist von der allgegenw\u00e4rtigen, oberfl\u00e4chlichen und rastlos hektischen Berieselungsflut von flachen Information kann Oper ein Ort sein, an dem dieser Flut ein Raum und eine Zeit von konzentrierter Dichte entgegengestellt wird.\u00a0Zusammen mit den anderen beteiligten K\u00fcnstlern stelle ich als Komponist diesen offenen Raum der F\u00fclle her. Ich m\u00f6chte niemanden belehren, ich habe keine Botschaften zu \u00fcbermitteln.<br \/>\nIch teile meine Freude am H\u00f6ren und Sehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>h\u00f6ren und sehen. In der Geschichte der Oper gibt es die verschiedensten Formen von Opern, entwickelt von Komponisten angefangen von Cavalieri \u00fcber Gluck bis zu Nono, Aperghis und Scarrino. 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