{"id":41,"date":"2013-05-15T17:07:02","date_gmt":"2013-05-15T15:07:02","guid":{"rendered":"https:\/\/klang.mur.at\/?page_id=41"},"modified":"2013-05-29T00:13:23","modified_gmt":"2013-05-28T22:13:23","slug":"zu-berge-traume","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/klang.mur.at\/?page_id=41","title":{"rendered":"berge. tr\u00e4ume."},"content":{"rendered":"<p>Schnee im M\u00e4rz<\/p>\n<p>1.<br \/>\nWege auf Berge Viele Heiligt\u00fcmer wurden auf Bergen errichtet. Um zu ihnen zu gelangen mu\u00dften oft k\u00fcnstliche Wege geschaffen werden, meist in Form von Treppen. Die Treppe ist ein elementares Beispiel f\u00fcr den Akt der Abstraktion von der Natur: aus der unregelm\u00e4\u00dfigen, nat\u00fcrlichen Beschaffenheit des Berges wird eine einfache, klare geometrische Form abgeleitet. Das Grundprinzip der Treppe ist au\u00dferdem das klassischeste aller Kunst- und Formprinzipien, n\u00e4mlich das der Wiederholung. Das Prinzip der Wiederholung ist als solches auch ein abstraktes Kunstprinzip, denn exacte Wiederholung gibt es nicht in der Natur. St\u00e4ndiges Wiederholen kann man auch als eine Form der Gleichzeitigkeit von Stillstand und Bewegung sehen: Scheinbar ver\u00e4ndert sich nichts, alles ist immer nur die gleiche minimale Bewegung, doch irgendwann erreicht man pl\u00f6tzlich den Gipfel des Taishan.<\/p>\n<p>2.<br \/>\nAbstraktion und Ger\u00e4usch<br \/>\nWas die Entwicklung des Verh\u00e4ltnisses des Abstrakten zum Konkreten betrifft, entfaltet sich die Musikgeschichte nach dem Mittelalter in eine der Kunstgeschichte genau entgegengesetzte Richtung. Die bildende Kunst hat in der Renaissance einen H\u00f6hepunkt an Realit\u00e4tsn\u00e4he, ein Maximum an Naturalismus erreicht, sie schafft mit Hilfe der neu entwickelten Techniken (z.B.: Perspektive) ein perfektes Abbild der Realit\u00e4t, wie sie uns erscheint. In den Mittelpunkt wird dabei der Mensch gestellt. Am Ende des Mittelalters und zu Beginn der Renaissance erreicht die Musik dagegen in der Polyphonie der Niederl\u00e4ndisch-r\u00f6mischen Schule die Stufe maximaler Abstraktion: hochkomplexe, abstrakte, auf Zahlenproportionen beruhende Kompositionen, die nur eine Klangfarbe (M\u00e4nner- und Knabenstimmen) kennen entstehen. Diese geistlichen Werke die G\u00f6ttliches und nicht den Menschen zum Zentrum haben sind ein H\u00f6hepunkt des Abstrakten in der Musik, des Abstrakten auch im Sinne des nicht affektgeladenen, nicht rhetorischen. W\u00e4hrend die bildende Kunst sich in einem langsamen Prozess immer weiter von der Abbildung der konkreten Natur entfernt hat und zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch Mondrian und andere die Schwelle zur reinen Abstraktion \u00fcberschritten wurde entwickelte sich die Musik in die genau entgegengesetzte Richtung. W\u00e4hrend und nach der Renaissance wird das G\u00f6ttliche als Zentrum langsam verdr\u00e4ngt von Subjektiv-menschlichem. Parallel dazu wird das Spektrum der Klangfarben immer mehr erweitert. Teils \u00fcber den Weg des Exotismus (z.B.: Janitscharenmusik) oder den des Illustrativ-programmatischen (z.B.: Donnerblech) etablieren sich langsam auch reine Ger\u00e4uschinstrumente. W\u00e4hrend also zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Bildenden Kunst eine rein abstrakte Kunst entsteht, erreicht die Musik in etwa zur gleichen Zeit einen Zustand in dem sich das Ger\u00e4usch, das der &#8222;nat\u00fcrlichen&#8220; Umwelt entnommene Klangereignis emanzipiert hat (&#8222;intona rumori&#8220;, &#8222;musique concrete&#8220;).<br \/>\n*<br \/>\nIn der Kunst w\u00fcrde ich als abstrakt dasjenige definieren, das nicht versucht Nat\u00fcrliches oder Reales abzubilden, das m\u00f6glichst versucht Assoziationen mit der Natur nicht aufkommen zu lassen. Einfachheit und Klarheit sind meist Charakteristika des Abstrakten. Im Reich des Klingenden k\u00f6nnte man das Rauschen als das Musterbeispiel des Nat\u00fcrlichen, des Umweltklanges betrachten, den instrumentalen Ton mit seiner einfachen, periodischen Schwingungsform als das Muster des Naturfernen. Denn es gibt in der Natur nichts, das sowohl dem Klangeindruck als auch der physikalischen Struktur nach zum Beispiel einem Klavierton vergleichbar w\u00e4re, auch ruft ein Klavierton keine Assoziationen an irgendwelche Naturph\u00e4nomene hervor. Andererseits l\u00f6st jedes Ger\u00e4usch, wie abstrakt es auch immer gedacht oder produziert sein mag immer Assoziationen an Umweltger\u00e4usche (Meeres-, Waldesrauschen etc.) aus. Wie beim Bleigie\u00dfen werden in amorphe Strukturen, auch dann, wenn sie zuf\u00e4llig entstanden sind fast immer automatisch konkrete Bilder projiziert. Auch asiatische Kunstformen wie zum Beispiel die Tuschmalerei oder die Shakuhachi-fl\u00f6tenmusik gehen zwar an den Rand der Abstraktion, sind aber immer als Abbildung der Natur gedacht und geschaffen worden. Ger\u00e4usche tragen immer die konkrete Welt in die urspr\u00fcnglich abstrakte musikalische Struktur. Fast unweigerlich wird ger\u00e4uschhafte Musik durch die sich einstellenden Assoziationen unfreiwillig illustrativ, sie wird zur Darstellung der Ger\u00e4uschkulisse unserer Welt. Das einzige, das ohne Naturassoziation bleibt ist die reine geometrische Form und der klare ger\u00e4uschfreie instrumentale oder vokale Ton. Die klarste formale Struktur aber ist die Wiederholung.<br \/>\n*<br \/>\nBleibt also die Sch\u00f6nheit der Berge unerreichbar oder k\u00f6nnen wir nicht gerade durch die Betrachtung der klaren Grundformen in uns die Essenz der Berge empfinden?<\/p>\n<p>3.<br \/>\nberge.tr\u00e4ume.<br \/>\nBerge sind \u00fcber Jahrtausende gewachsen und wachsen immer noch weiter, Millimeter um Millimeter. Auch ihre Majest\u00e4t und Gewalt sind nicht unver\u00e4nderlich, sie sind fl\u00fcchtig wie Tr\u00e4ume.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schnee im M\u00e4rz 1. Wege auf Berge Viele Heiligt\u00fcmer wurden auf Bergen errichtet. Um zu ihnen zu gelangen mu\u00dften oft k\u00fcnstliche Wege geschaffen werden, meist in Form von Treppen. 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