{"id":401,"date":"2013-05-31T18:02:54","date_gmt":"2013-05-31T16:02:54","guid":{"rendered":"http:\/\/klang.mur.at\/?page_id=401"},"modified":"2013-05-31T18:03:12","modified_gmt":"2013-05-31T16:03:12","slug":"drei-dichter","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/klang.mur.at\/?page_id=401","title":{"rendered":"drei dichter."},"content":{"rendered":"<p><b>drei dichter.<\/b><\/p>\n<p>&#8222;<em>here lies one whose name was writ in water<\/em>&#8222;, so lautet die Innschrift auf dem Grabstein des gro\u00dfen englischen Dichters John Keats, der in Rom sehr jung an Tuberkulose verstorben ist und daselbst am Friedhof der nicht-Katholiken begraben liegt .\u00a0Keats selbst hat sie verfasst und wollte sie anstelle seines Namens eingraviert sehen. Die letzten drei Worte wurden zum Titel &#8222;geschrieben in wasser.&#8220; .\u00a0Vor allem, wenn wir Keats Epitaph vergleichen mit Horatius&#8216; ein wenig anma\u00dfendem Beginn der Elegie an Melpomene &#8222;<em>exegi monumentum aere perennius<\/em>&#8220; (Dauerhafter als Erz) wird Keats&#8216; Charakter und auch der seiner Kunst deutlich, seine Zartheit und Bescheidenheit und sein Gewahrsein der Verg\u00e4nglichkeit und Fl\u00fcchtigkeit menschlicher Bem\u00fchungen angesichts der Unendlichkeiten der kosmischen Verl\u00e4ufe. \u00a0&#8222;geschrieben in wasser.&#8220; ist einerseits eine Hommage an den gro\u00dfen Dichter, quasi eine poetische Verbindung, hergestellt durch das Bem\u00fchen der Musik, die Klarheit und Ruhe der Lyrik von Keats aufzunehmen. Andererseits ist das St\u00fcck der Versuch einer musikalische Umsetzung der grundlegenden Struktur dieses wunderbaren poetischen Bildes des Schreibens in Wasser. \u00a0Den beiden gegens\u00e4tzlichen Elementen im sprachlichen Bilde, dem Wasser als Symbol der unfassbaren Natur einerseits, der Schrift als Symbol der Begrenztheit der menschlichen Bem\u00fchungen andererseits entsprechen auch zwei Ebenen in der Musik, zwei Sph\u00e4ren die sich vielleicht f\u00fcr Momente ber\u00fchren, die aber eigentlich unvereinbar bleiben: Die Klangebene der Streicher und jene des Klaviers. \u00a0Musikalisch stehen sich zwei Stimmungssysteme (die nat\u00fcrlichen Flageoletts der Streicher &#8211; das gleichstufig temperierte Klavier), zwei Tonerzeugungsarten (streichen &#8211; anschlagen) gegen\u00fcber, dem best\u00e4ndigen Flu\u00df der lange gehaltenen Kl\u00e4nge der Streicher werden die fl\u00fcchtigen, verklingenden Konturen des Klaviers entgegengesetzt.<br \/>\nUnd doch gibt es in allem Flie\u00dfen etwas Best\u00e4ndiges, n\u00e4mlich gerade die Ver\u00e4nderung. Wunderbar hat dieses Paradox der Gleichzeitigkeit von Stillstand und Bewegung ein dritter Dichter, n\u00e4mlich Conrad Ferdinand Mayer formuliert, in der Beschreibung der \u00fcberflutenden Schalen eines Brunnens in der r\u00f6mischen Villa Borghese:<br \/>\n&#8222;<em>und jede nimmt und gibt zugleich und alles flie\u00dft und ruht<\/em>&#8220;<\/p>\n<div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>drei dichter. &#8222;here lies one whose name was writ in water&#8222;, so lautet die Innschrift auf dem Grabstein des gro\u00dfen englischen Dichters John Keats, der in Rom sehr jung an Tuberkulose verstorben ist und daselbst am Friedhof der nicht-Katholiken begraben liegt .\u00a0Keats selbst hat sie verfasst und wollte sie anstelle seines Namens eingraviert sehen. Die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-401","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/klang.mur.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/401","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/klang.mur.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/klang.mur.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/klang.mur.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/klang.mur.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=401"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/klang.mur.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/401\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":403,"href":"https:\/\/klang.mur.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/401\/revisions\/403"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/klang.mur.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=401"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}